Erdöldiesel enthalten normalerweise 60 ppm
suspendiertes Wasser. Bei diesem Wert spielt
Wasser fast keine Rolle. Wird der Kraftstoff
regelmäßig verbraucht und wieder aufgefüllt,
treten die vorstehenden Probleme in Verbindung
mit einer mikrobiellen Kontamination
nicht auf.
DIE TECHNISCHE ENTWICKLUNG
Biodiesel enthalten normalerweise bis zu 25 Mal
mehr suspendiertes Wasser wie Erdöldiesel. Die
weltweite Verbreitung von Biodiesel in den letzten
Jahren im Zuge der Schonung fossiler Brennstoffe,
der Ziele bei der Eindämmung von Treibhausgasen
und der Energiesicherheit hat auch dazu geführt,
dass die Kraftstoffprobleme der Schifffahrt auf den
Transport an Land übergegriffen haben: Biodiesel
ist ein perfekter Lebensraum für ein starkes
mikrobielles Wachstum.
Vom Lloyds Register wurde eine technische
Abhandlung veröffentlicht (Paper Nr. 4, Session
1994-95), in dem die kritischen Werte von
Bakterien im Kraftstoff aufgeführt werden.
Weniger als 500 cfu (koloniebildende Einheiten)
pro Liter sind akzeptabel. Bei einem Wert von 500
bis 1000 cfu warnt Lloyds vor dem "Auftreten
einer raschen mikrobiellen Vermehrung" und
spricht bei einem Wert über 1000 cfu von "einer
raschen mikrobiellen Vermehrung,
Betriebsproblemen, einer notwendigen
gründlichen Untersuchung, einer erforderlichen
antimikrobiellen Behandlung".
Bei Erdöldiesel sind kritische Werte über 500 cfu
eher selten, insofern es sich nicht um die
Schifffahrt oder eine lange Lagerzeit handelt. Bei
Biodiesel ist dies anders - der höhere
Wassergehalt schafft für Mikroben eine sehr
günstige Umgebung.

Folglich ist die Expositionsschwelle gegenüber Kondensation,
undichten Stellen oder dem Zeitfaktor bei ungestörter
Lagerung, bevor die Vermehrung beginnt, beträchtlich geringer.
Die Qualität der heutigen Biokraftstoffe sinkt viel schneller als
die ihrer
Mineralöl-Vorgänger.
Die Bakterienkolonien wachsen an der Schnittstelle von Wasser
und Kraftstoff und werden dabei immer schwerer, bis sie aus
dem Kraftstoff auf den Boden des Tanks ausfallen, wo es zur
schnellen Bildung von Biobelägen und Schlamm kommt.
Die Bakterien ernähren sich vom Kraftstoff, während Mikroben
hingegen nicht den "gesamten" Kraftstoff verwerten: sie
spalten die Kohlenstoffketten auf, wodurch sich die
Brenneigenschaften verschlechtern. Die Folgen sind:
• schlechte Starteigenschaften (oder Startversagen überhaupt)
• übermäßige Rauchbildung
• verminderte Leistung
MIKROBIELLE KONTAMINIERUNG KOMMT NICHT NUR BEI
DIESEL VOR
Bei den in der Luftfahrt verwendeten Kraftstoffen kommt es zu
den gleichen Problemen, die der Grund für die drastischen
Maßnahmen im Fuelmanagement in der Luftfahrt sind. Benzin
war bis zur Einführung des Bioanteils der einzige Kraftstoff, der
nicht von der mikrobiellen Kontamination betroffen war,
jedoch leidet auch das bioethanolhaltige Benzin darunter.
Die universelle Verwendung von Biokraftstoffen ist zumindest
eine genauso große Veränderung bei Kraftstoffen wie der
Wechsel zu unverbleitem Benzin in den 1990er Jahren. Das
Kraftstoff-Qualitätsmanagement ist nicht mehr nur eine
Angelegenheit von Raffinerien, Reedereien und
Fluggesellschaften: die mikrobielle Kontamination betrifft
jeden.